David Lebuser

David Lebuser

David Lebuser

Hi! Ich bin David Lebuser, Rollstuhlfahrer und Skater! Widerspruch? Absolut nicht! Dennoch habe ich einen immer wiederkehrenden Ohrwurm:

Sitzt du wirklich im Rollstuhl? Ist das nicht schwer? Boah du bist aber mutig! Kannst du laufen? Machst du damit Tricks? Hast du keine Angst? Ist das nicht gefährlich? Kannst du einen Backflip?

Es ist eine Endlosschleife, die ich noch fortführen könnte, Sätze die ich immer wieder höre und meistens auch brav beantworte. Meistens – natürlich gibt es auf dumme Fragen auch dumme Antworten und ab und zu auch mal einen fiesen Spruch, aber eigentlich bin ich meist sehr geduldig. Manche Fragen nerven dann aber doch mit der Zeit. So ist die Frage, ob ich laufen kann oder wirklich im Rollstuhl sitze ja mit einem allgemeinen Stereotyp verknüpft. Die Leute Können sich einfach nicht vorstellen, dass man als Rollstuhlfahrer auch ausgefallene Dinge tun kann, wie die Fragenden im Skatepark ja meist selbst.

Wir reden heute viel über Inklusion, oder nein, eigentlich reden andere davon. Sie reden und reden und man hat manchmal das Gefühl das sie beim reden das tun vergessen.
Wenn ich mit den Kids und anderen Rollifahrern in den Skatepark gehe, dann leben wir das, was allgemein als Inklusion bezeichnet wird. Wir tun es einfach, während die Politik darüber streitet, wie man das Schulsystem inklusiv gestaltet.

Wie ich finde, auch ein sehr wichtiges Thema. Doch was ist nach der letzten Schulstunde? Gibt es dann keine Inklusion mehr?
Oft habe ich das Gefühl, dass genau hier die Politik aufgehört hat zu denken – oder noch gar nicht angefangen. Mein Lieblingsbeispiel ist ein Freundeskreis, welcher zusammen in die Schule geht. Natürlich gehören auch Rollstuhlfahrer zu den Kindern und alle verstehen sich prächtig. Nach der Schule wollen sie sich treffen, im Skatepark, denn sie haben ein gemeinsames Hobby: das Skaten. Einer fährt BMX, ein anderer Skateboard. Dann ist da noch einer, der lieber auf Inlineskates unterwegs ist. Doch was macht ihr Freund im Rollstuhl? Zuhause bleiben? Zuschauen? Warten? Nein – er macht natürlich mit! Wie seine Freunde auch, liebt er einfach den kreativen, manchmal schmerzvollen, aber immer wieder Grenzen verschiebenden Sport. Warum auch nicht? Es sind doch alles Kinder und die haben alle ein Recht darauf auch mal auf die Fresse zu fallen und mit einer Wunde nach Hause zu kommen. Ja, auch Kinder im Rollstuhl können und dürfen und müssen sich weh tun. Das gehört zur Entwicklung eines Kindes einfach dazu!
Leider höre und erlebe ich noch zu oft, dass Rollstuhlfahrer nicht in die Skatehalle dürfen oder aus Skateparks rausgeschmissen werden. Ich finde das ätzend und die Begründungen sind so aus der Luft gegriffen, geprägt von demselben Stereotyp, welcher mein Ohrwurm verursacht.

Dabei bekomme ich so viel positives Feedback von den Eltern der Kids, die mit mir im Skatepark waren und sehe das lächeln, sehe die positive Entwicklung der Kinder. Natürlich sind es nicht nur die Kleinen, sondern auch Verunfallte, wie ich, denen damit neue Perspektiven gegeben werden. Warum versperren also manche die Türen zu eben diesen Möglichkeiten? Warum können so viele nicht damit umgehen, dass wir in der heutigen Zeit niemanden mehr nach dem Äußeren oder dem ersten Eindruck abstempeln dürfen? Es ist doch egal, ob jemand Behindert, schwarz, bunt, schwul oder lesbisch ist, ob er ein Bein hat oder drei. Es ist egal und es ist eben kein Widerspruch mit diesen Unterschieden ein gemeinsames Hobby zu haben, egal ob im Skatepark, dem Stadion oder in der Stadt.

Ich sehe die neue Generation von Rollikids als eine sehr aktive, unvoreingenommene und wenn wir ihnen die Tore heute öffnen, werden sie morgen die Welt verändern!

 David Lebuser: Facebook | Instagram | Twitter | Youtube