John Patrick Garth

John Patrick Garth

John Patrick Garth

Mein Name ist John Patrick Garth. Ich bin ausgebildeter Schauspieler. Durch eine Frühgeburt habe ich eine Spastik. Viele werden jetzt denken, Schauspiel und Behinderung, geht das? Ja, es geht, es ist kein Widerspruch. Da ich die Behinderung von Geburt an habe, kenne ich es nicht anders, für mich ist das normal. Ich sehe meine Behinderung, gerade wenn es um Schauspiel geht, vielmehr als Erweiterung meiner Möglichkeiten, nicht als Einschränkung. Es ist wie eine zusätzliche Fähigkeit, keine Behinderung. Meine Figur bekommt durch diese „Fähigkeit“ eine ganz andere Tiefe, eine zusätzliche Facette, für die ich nichts tun muss, denn diese Fähigkeit ist mir angeboren.
Aus meiner Erfahrung haben in Deutschland im Vergleich zu den USA, wo ich einen Teil meiner Schauspielausbildung absolviert habe, die Leute mehr Probleme im Umgang mit Behinderung. Dort wurde ich als Schauspieler mit einer zusätzlichen Facette gesehen. Hier werde ich leider allzu oft auf meine Behinderung reduziert. Doch warum? Warum ist es hier nicht möglich z.B. einen Anwalt oder Banker mit Behinderung zu spielen? Das gibt es im realen Leben ja auch. Aber nein, wenn eine Behinderung nicht explizit im Drehbuch steht, kann ich die Rolle nicht spielen. Man müsste ja erklären, warum die Figur eine Behinderung hat. Ich frage mich dann immer: „Warum?“ Ich muss ja auch nicht erklären, warum diese Figur schwarze Haare hat und jene blonde. Das ist halt einfach so.
Doch auch hier in Deutschland habe ich Regisseure gefunden, die bereit waren mit mir zu arbeiten. Sie haben es als Chance begriffen, mal etwas anderes zu zeigen. Ich hoffe, dass in Zukunft noch mehr Regisseure, Redakteure, Caster und andere Entscheider den Mut finden, sich von der Schublade „behinderter Schauspieler ist mit seiner Behinderung für uns nur begrenzt einsetzbar“ zu verabschieden. Die Arbeit hat gezeigt, dass sowohl auf der Bühne als auch vor der Kamera durch die Behinderung tolle Momente entstehen, die mein Spiel bereichern.
Ich möchte, und so geht es glaube ich den meisten Behinderten, sowohl privat als auch bei meiner Arbeit als Schauspieler normal behandelt werden. Ich bin nichts Besonderes. Wenn ich etwas brauche, habe ich einen Mund und kann um Hilfe bitten. Manchmal frage ich mich, wer in dieser Welt eigentlich die Behinderten sind. Oft sind die sogenannten „Nichtbehinderten“, durch ihre beschränkte Art zu denken, viel behinderter als ich.
Mit der Zeit habe ich gelernt, die Reaktion der Menschen auf meine Behinderung mit Humor zu nehmen. Daraus entstand dann 2007 auch mein Comedy Programm „Spastisch? Fantastisch!“

Grenzen? Nicht für mich. Warum auch? Ich kann mich nur selbst behindern, mache mein Ding und lebe meinen Traum.
Wenn ich in meinem Leben immer nur das gemacht hätte, was andere mir zugetraut haben, dann würde ich heute wahrscheinlich irgendwo völlig unselbstständig und sabbernd in der Ecke sitzen. Aber du musst immer das Beste aus deinen Möglichkeiten machen. Rumjammern bringt dich nicht weiter. Mein Motto ist „Geht nicht, gibt’s nicht.“ Ich muss alles ausprobieren. Wenn ich dann feststelle, dass ich körperlich an meine Grenzen gerate, muss ich mir einen Plan B überlegen. Nur so lassen sich Träume und Wünsche verwirklichen. Nur mit Zielen komme ich im Leben weiter und wer sagt mir, dass ich diese auf direktem Weg erreichen muss? Oft kann ein Umweg ja auch ganz hilfreich sein.

John Patrick Garth: Homepage | Facebook | Twitter