Oswald Utz

Oswald Utz

Oswald Utz

Behindert. Besonders. Anders. – Zwischen Ausgrenzung und Inklusion so lautet der Titel der Veranstaltungsreihe die ich gemeinsam mit dem Behindertenbeirat und vielen Kooperationspartnerinnen und -partnern im Jahr 2013 organisiert habe.
Im Grunde genommen drücken diese Worte mein immer wieder wechselndes Lebensgefühl in dieser „ach“ so toleranter Stadt aus.

Ich bin mit 16 Jahren aufgrund meiner Behinderung nach München gekommen um hier auf eine weiterführende Schule zu gehen und um danach in München zu studieren.
München ist zu meinem Lebensmittelpunkt geworden, ja ich kann sagen ich fühle mich hier wohl. Ich habe dieser Stadt wirklich viel zu verdanken. Sie hat mich aus der Parallelwelt der Menschen mit Behinderungen heraus geholt.

Heute würde man wohl sagen: „Der Oswald hat es geschafft!“ Aber habe ich es wirklich geschafft? Wenn ja, was habe ich geschafft? Und vielleicht noch eine viel wichtigere Frage. Wer hat mich dabei unterstützt?
Ja, meine Wahrnehmung ist, ich habe es geschafft. Ich bin den Fesseln von Sonder- und Fördereinrichtungen entkommen. Ohne diese Einrichtungen zu verteufeln habe ich für mich doch sehr früh gespürt, dass ich gehen muss um zu leben, um mich zu spüren.
Ja, es ist mir gelungen in der Münchner Stadtgesellschaft anzukommen. Ich lebe mit meiner Partnerin und unser Tochter in einer teuren Münchner Wohnung und ich habe das Privileg von unserem Einkommen mir das Leben in München leisten zu können. Bei der Beantwortung der Frage, wer mich dabei unterstützt hat, wird so glaube ich klar, warum ich heute als ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter tätig bin und versuche bei der Kommunalwahl 2014 für die Grünen in den Münchner Stadtrat einzuziehen.

Ich habe es nicht geschafft weil ich ein Übermensch bin, sondern weil mir in meinem Leben immer zur richtigen Zeit die richtigen Menschen begegnet sind, die mir Mut gegeben haben, die mich unterstützt und begleitet haben. Es waren eben nicht die Strukturen die mir Wahlmöglichkeiten zwischen Sondereinrichtungen und selbstorganisierten und selbstbestimmten Leben gegeben haben – und dieser Missstand treibt mich bis heute um. Noch heute ist es für Gesellschaft, Politik und Verwaltung konformer wenn man als Mensch mit Behinderungen die vorgezeichneten Wege geht und diese sind nun mal in einer Parallelwelt. Dort gibt es gut ausgebaute Strukturen von der Wiege bis zur Bare. Dort ist der Mensch mit Behinderungen leicht zu verwalten, dort sind Fragen der Finanzierung und Zuständigkeiten geklärt. Menschen mit Behinderungen, die einen Weg außerhalb der Parallelwelt gehen wollen, haben es sehr viel schwieriger.

Auf der einen Seite die Vielfalt zu postulieren aber immer wieder zur Konformität gezwungen zu werden, dies ist der Widerspruch in dem sich viele Menschen mit Behinderungen vorfinden – diesen Widerspruch versuche ich täglich aufs neue für Menschen mit Behinderungen in unserer Stadt ein wenig mehr aufzulösen.

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